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Warum genetische Ressourcen?

Die biologische Vielfalt bei Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen ist das Resultat einer langen Entwicklung und Anpassung der Lebensformen an unterschiedliche Umweltbedingungen und
- insbesondere was die vom Menschen genutzten Arten anbetrifft - an menschliche Bedürfnisse. Diese Vielfalt ist weltweit bedroht. Die wildlebenden Arten verlieren zunehmend ihre Lebensräume oder sterben durch Übernutzung aus. Viele Kulturpflanzen und Nutztiere, die früher nur regional verbreitet waren und deren Existenz als domestizierte Lebewesen von menschlicher Pflege abhängt, werden durch technische und wirtschaftliche Entwicklungen aus der landwirtschaftlichen Nutzung verdrängt und drohen deshalb auszusterben. Damit geht ein zukünftig möglicherweise einmal bedeutendes genetisches Potential für die Sicherung einer vielfältigen Ernährung, die Erzeugung von biologischen Wirkstoffen, nachwachsenden Rohstoffen und erneuerbaren Energieträgern unwiederbringlich verloren.

Aus diesem Grund müssen Maßnahmen zur Erhaltung der Vielfalt dieser genetischen Ressourcen umfassend sein und den Schutz ihrer Lebensräume, die Verhinderung der Übernutzung sowie die Förderung der Erhaltung nicht konkurrenzfähiger Arten, Rassen und Sorten einschließen. Das ist für die Zukunft der Land- und Forstwirtschaft und damit auch für die Ernährung von grundlegender Bedeutung. Letztlich geht es um die Schaffung nachhaltiger agrarischer Systeme, die möglichst viele Bestandteile der biologischen Vielfalt aktiv nutzen.

Die Erhaltung genetischer Ressourcen ist Teil staatlicher Vorsorgepolitik und integraler Bestandteil einer Politik, die eine nachhaltige Landwirtschaft zum Ziel hat. Die damit verbundenen Fragen spielen sowohl auf nationaler als auch EU- und internationaler Ebene bei unterschiedlichen Maßnahmen und Institutionen eine bedeutende Rolle. Die dabei von der Bundesrepublik Deutschland übernommenen Verpflichtungen müssen ernst genommen und umgesetzt werden. Nur dadurch sind wir in der EU und international auch weiterhin ein glaubwürdiger Verhandlungspartner.

Eine wichtige Rolle bei der Erhaltung genetischer Ressourcen, besonders bei seltenen, regionaltypischen und bedrohten Nutztierrassen, aber auch bei Kultur- und Forstpflanzen spielen private Organisationen und Verbände. Ohne deren Initiativen wären viele der alten Rassen und Pflanzenarten bzw. -sorten bereits ausgestorben.

Die derzeitigen Maßnahmen des Bundes und der Länder sowie der EU zur Erhaltung genetischer Ressourcen in den verschiedenen Bereichen müssen verstärkt und unter Einbeziehung aller maßgeblichen Akteure besser abgestimmt werden. Dafür hat das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) eine Sektorstrategie „Agrobiodiversität erhalten, Potenziale der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft erschließen und nachhaltig nutzen“ erarbeitet und will ein mit den betroffenen Bundesressorts, Ländern und beteiligten Kreisen abgestimmtes nationales Programm zu genetischen Ressourcen für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten entwickeln. Der Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen unterstützt das BMEL dabei beratend.